In Frankreich Bücher kaufen

Veröffentlicht auf von Oui-mais

Ich lebe ja nun schon lange in Frankreich und hätte erwartet, dass ich mich an den französischen Buchmarkt gewöhnt habe. Seltsamerweise ist das nicht der Fall. Manchmal entdecke ich einen französischen Roman, weil ich, nachdem der Titel auf Deutsch erschienen ist, die Kritik in einer deutschsprachigen Zeitschrift gelesen habe.

Zum Teil liegt es an der Aufmachung der Bücher, dazu kommt die Sortierung in den Bibliotheken und Buchhanlungen. Da wird oft getrennt sortiert: französischer Autor hier, Ausländer ganz hinten im Saal.

Es gibt auch noch mehr Vorurlteile über "gute" Literatur als in Deutschland. Während ich in Angoulême und Toulouse fast alle Scheibenweltromane in der Stadtbibliothek ausleihen konnte, gibt es in der Dordogne seit kurzem immerhin eine Bibliothek mit einigen Bänden. In Nontron hatte ich sogar Schwierigkeiten einen Band zu bestellen! (Wer liest denn soo was?)

Letztens wollte ich mal wieder ein Buch aus einem kleinen Verlag im "Maison de la Presse" von Nontron bestellen, die Buchhandlung hat inzwischen geschlossen. Der Inhaber war ziemlich beleidigt, als ich sagte, ich kaufe oft bei Amazon. Wegen Leuten wie mir, müssten kleine Läden wie er schließen. Das gewünschte Buch erschien in seinem Online-Katalog, eine Bestellung sollte kein Problem sein. Doch nach zwei Wochen rief er an, um mitzuteilen, dass sein Lieferant nicht die Absicht habe, so einen seltenen Titel zu liefern, ausser der Händler wäre bereit horrende Portokosten zu übernehmen. Offenbar hat sich nichts an der Politik der Grosshändler geändert. Je nach Größe einer Stadt liefern sie oder auch nicht. So wollte ich einmal eine Grammatik für Studenten, doch die musste ich in einer Universitätsbuchhandlung bestellen, eine Kleinstadt konnte das Werk nicht bestellen (bevor es Internet gab.)

Ergebnis: Ich habe bei Amazon bestellt und das Buch schnell geliefert bekommen..

Obwohl ich hier auf dem Lande den Eindruck habe, es gäbe fast keine Leser, ist das für Frankreich insgesamt nicht richtig. Statistisch gesehen lesen die Franzosen mehr als die Deutschen (World Culture Score(TM) Index Examines Global Media Habits). Vielleicht ist das Stadt- Landgefälle einfach sehr gross.

Veröffentlicht in Landleben, Bücher

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